Schokolade als Belohnung fürs Assessment?
Das Ziel von Assessments ist es, Fähigkeiten, Kompetenzen und Potenziale von Kandidatinnen und Kandidaten zu bewerten. Assessments dienen dazu, für die Auswahl relevante Zusatzinformationen zu erhalten und ergänzen die Eindrücke von Bewerbungsgesprächen zu einem genaueren Bild der auszuwählenden Person.
Führen ist Beziehungsgestaltung. In unseren 2CV-Assessments machen wir Verhalten beobachtbar.
In sogenannten «Cases» beschreiben wir Situationen und bitten den oder die Assessee, Lösungen zu präsentieren. Es gilt, sich der Situation zu stellen, sie innert kürzester Zeit zu analysieren und zu reagieren: sich in die handelnde Person hineindenken und ihre nächsten Schritte zur Lösung der Probleme vorschlagen. Das ist anspruchsvoll, aber theoretisch-distanziert.
In unsere Assessments bauen wir auch verschiedene Elemente ein, die szenischer Natur sind. Hier gilt es genauso, die Situation blitzschnell zu analysieren, auf das Gegenüber einzugehen und konkret vor Ort in der Situation zu handeln. Diese Rollenspiele zeigen die Reaktionen auf Challenges in der beruflichen Interaktion im (künftigen) Arbeitsalltag.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass diese Szenen für uns Assessoren wichtige Hinweise auf spezielle Elemente der Führungsqualität der Kandidatinnen und Kandidaten liefern. In den abschliessenden Debriefings erhalten wir positives Feedback der Kandidatinnen und Kandidaten, was den Challenge der Situationen betrifft. Unter anderem sicherlich, weil wir professionelle Schauspielerinnen und Schauspieler einsetzen, die genau gebrieft sind.
Eine Anekdote aus dem 2CV-Assessment-Alltag beweist, dass diese Szenen nah an der Wirklichkeit sind:
Neben Rollenspielen, wo alle Beteiligten wissen, dass es sich um eine fiktive Situation handelt, gibt es in den 2CV-Assessments auch eine Intervention, die den Assessee oder die Assessee überrascht.
Unser Kandidat war draussen unterwegs auf einem Spaziergang, um eine Präsentation vorzubereiten. Irgendwo auf dem Weg passierte etwas, das seine Handlung erforderte.
Ohne Details zu verraten: Der Schluss der Szene war, dass die Person, der der Assessee geholfen hatte, ihm zum Dank eine Schachtel Pralinen schenkte.
Der Kandidat kam von seinem Spaziergang zurück und präsentierte, was er vorbereitet hatte, ohne die Intervention zu erwähnen. Er staunte nicht schlecht und stockte in seinem Vortrag, als die Person, der er geholfen hatte, den Assessment-Raum betrat. Bei der anschliessenden Besprechung wurde die Schokolade erwähnt. Der Kandidat machte aber keine Anstalten, uns am Schluss des Assessments das Requisit der Szene, die Pralinenschachtel, zurückzugeben. Er schien der Meinung zu sein, dass er die Pralinen mit seiner Hilfe wirklich verdient hatte. Wir haben die Schokolade nicht zurückgefordert. Hoffentlich hat sie ihm geschmeckt!